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Norm Architects

Das Alsterhaus hat ein Faible für den Norden – vor allem für seinen frischen, modernen Look – und engagierte das Kopenhagener Architekturbüro für den Umbau des Men’s Departments in der 1. Etage. Sein Stil: »Soft Minimalism«.

MATERIALMIX: Eichenfassade mit illuminierter Mesh-Decke

Hamburg ist die südlichste Stadt Skandinaviens. Zumindest auf der Wohlfühl-Karte. Das liegt nicht unbedingt daran, dass Altona tatsächlich eine Zeit lang zu Dänemark gehörte, sondern am Lebensgefühl der Hafenmetropole. In schwedenweiß gestrichenen Cafés werden Zimtschnecken serviert, Buchhandlungen spezialisieren sich auf isländische Krimis, und in den Altbauwohnungen stehen Vintage-Klassiker von Finn Juhl und anderen dänischen Stilikonen. Auch das Alsterhaus hat ein Faible für den Norden und beauftragte das Kopenhagener Architekturbüro Norm für den Umbau des Men’s Departments.

Schlichte Formen, sanfte Farben, natürliche Materialien wie Holz, Leder, wollene Stoffe – die Designer nennen ihren Stil »Soft Minimalism«, sanften Minimalismus. »Das ist unsere Interpretation und Weiterentwicklung des weißen, sterilen Minimalismus der 1990er-Jahre«, erklärt Sofie Thorning, die leitende Architektin des Projekts. »Wir mögen das Einfache sehr, wollen ihm aber eine weiche, warme und einladende Ausstrahlung verleihen.« Das gelingt dem Büro seit zwölf Jahren mit Interiors wie im Londoner Sticks’n’Sushi-Restaurant in Chelsea, aber auch mit Privathäusern in Japan und Sri Lanka.

18 Shoppingpause im Klassikbereich auf dem Sofa von Norm, entworfen für die schwedische Marke Zilenzio

GRAFISCH UND GROSSZÜGIG: Fitting Rooms, die zum Anprobieren einladen

Die Möbel von Norm sind ebenfalls international erfolgreich. Der Sessel Embrace zum Beispiel, der vor den Fitting Rooms der 1. Etage steht, entstand vor zwei Jahren für die schwedische Firma Fogia. Inspiriert von den ganz Großen der dänischen Designgeschichte, ist er gleichzeitig ein zeitgemäßer Ohrensessel. Genau das ist eine weitere Stärke von Norm: Altes neu zu denken. Dieses Talent wird auch im Alsterhaus sichtbar: »Die größte Herausforderung war, die riesige Fläche so aufzuteilen, dass sie den unterschiedlichen Marken ihren individuellen Auftritt ermöglicht und gleichzeitig ein harmonisches Ganzes schafft«, so Sofie Thorning.

Dafür orientierte sich das Team an der Tradition der »urban squares«. Zum Beispiel am Markusplatz in Venedig mit seinen charakteristischen Kolonnaden. Norm übersetzte das Prinzip ins Heute und rhythmisierte die Verkaufsfläche mit einheitlichen Fassaden aus Eichenholz: »Sie haben so eine starke, definierende Wirkung, dass sich dahinter alles Mögliche befinden kann«, erklärt die Dänin. Seien es die weißen Landhaustüren bei Ralph Lauren oder die Gitter aus Sechsecken bei Hackett London.

Und weil eine gute Idee auf unterschiedlichen Ebenen funktioniert, denkt man beim Durchqueren der verschiedenen Shop-in-Shops an ähnliche, weniger abstrakte Settings. Zum Beispiel wie man während der letzten Ferien mit Familie oder Freunden durch die Arkaden von Merans Laubengasse flanierte. Ein Gefühl, das einen starken Einfluss auf das Einkaufserlebnis hat. »Ein Store muss all das bieten, was der digitalen Welt fehlt. Das ist in erster Linie: Sinnlichkeit. Das Bedürfnis nach ehrlichen Materialien ist groß. Denn so visuell die digitale Welt auch ist, sie schafft nur Illusionen. Und der ultimative Kontrast dazu ist die Natur.«

Deshalb hat das Team von Norm das Zentrum der 1. Etage, den Ort, an dem Schuhe von Arkk Copenhagen bis Ermenegildo Zegna präsentiert werden, mit moosgrünem Teppich und irischem Marmor ausgestattet. Das Draußengefühl wird durch das nachempfundene Tageslicht noch verstärkt. Das Ziel war es, einen Ort zu schaffen, an dem sich Menschen tatsächlich begegnen, die im Gegensatz zur digitalen Welt ähnliche Dinge gut finden und sich gegenseitig inspirieren.

CONTEMPORARY-BEREICH: Naturstein und gelb getöntes Glas

Um dieses Gefühl zu intensivieren, gibt es jeweils einen Bereich für diejenigen, die es lieber klassisch mögen, und einen für die, die zeitgenössische Trends bevorzugen. Den klassischen Bereich kleiden Bodenfliesen aus dem Naturstein Ceppo di Gré in zahlreichen Grauschattierungen sowie subtile dunkle Holzelemente und stark strukturierte Wände. Der Contemporary Space ist heller gestaltet, mit Aluminiumregalen und gelb getöntem Glas. »All diese Farben finden sich in dem Onyx wieder, den wir für die Möbel gewählt haben, auf denen die Ware präsentiert wird«, sagt Sofie Thorning und ergänzt lachend: »Für unsere Verhältnisse ganz schön farbenfroh!«

Hat man nun im Contemporary-Bereich eine Culotte mit Fischgrätmuster von Maison Margiela entdeckt oder bei den klassischen Labels einen schmal geschnittenen Anzug von Boss, geht es schließlich zu den Fitting Rooms. Auch hier kommen die Eichenholzfassaden zum Einsatz. Allerdings ganz anders als bisher. Statt die verschiedenen Markenwelten einzurahmen und voneinander abzugrenzen, staffeln sie sich in die Tiefe und verwandeln den Raum in eine Bühne. Ein Eindruck, der durch die grauen Vorhänge noch verstärkt wird und auf diese Weise – nach mehr oder weniger (An-)Proben – für den perfekten Auftritt sorgt.

Geradlinigkeit in allen Bereichen: Klassisch-dunkel oder zeitgenössisch-sonnig

INSPIRIERT VON DER NATUR: Irischer Marmor, moosgrüne Wolle

Text
Verena Richter

Fotografie
Jonas Bjerre-Poulsen