Power Flower.
Die geballte Kraft von Kräutern und Blumen rundet jetzt die Hightech-Pflege ab

Wer sich heute eine Creme zulegt, ist oft detektivisch unterwegs. Bewusstes Einkaufen ist nicht nur bei Lebensmitteln oder beim Shoppen der neuen Jeans ein Thema, sondern auch in der Kosmetik. Welche Bestandteile sind in der Tagescreme enthalten? Produkte mit Mikroplastik, Parabenen oder Aluminium haben schlechte Karten. Pflanzenwirkstoffe sind die neuen – und eigentlich »alten« – Lieblinge von Verbrauchern und Kosmetikherstellern.
Zwar verschönern supereffektive Hightech-Formeln unsere Haut auf höchstem Niveau – indem sie etwa Wirkstoffe durch clevere »Transporter«-Inhaltsstoffe einschleusen –,  doch Kräuter- und Blumenextrakte runden die neuen Schönheitselixiere erst ab. Pflanzenrezepturen aus aller Welt erobern derzeit die Labore der Kosmetikfirmen. Mit neuen technischen Verfahren machen Wissenschaftler wertvolle Extrakte verfügbar, denen zum Teil schon seit Jahrtausenden ein positiver Effekt zugeschrieben wird, indem sie sich die Selbstheilungskräfte und Schutzstrategien der Pflanzen zunutze machen. Ihre natürlichen Wirkstoffe sorgen für die Extraportion Geschmeidigkeit und Spannkraft und damit für ein gesundes Hautbild.

Anti-Aging wie bei Kleopatra
Bereits im alten Ägypten mischte man für den Teint Anti-Aging-Pflanzensäfte zusammen, beispielsweise aus Meerrettich- und Pistazienbaum und Zyperngras. Nofretete und Kleopatra sollen auf die Wirkung von Aloe Vera geschworen haben. Als eine der wirkstoffreichsten Pflanzen gilt traditionell die Kamille. Das seit einigen Jahren wieder sehr populäre Arganöl aus Marokko nutzt man dort seit jeher als feuchtigkeitsspendendes und entzündungshemmendes Heilmittel. Sie sind gute Beispiele dafür, wie traditionelle Wirkstoffe den Weg in moderne Produkte finden. Der Münchner Dermatologe Timm Golueke hat für seine Produktlinie Royal Fern den Königsfarn als zentralen Inhaltsstoff gewählt. Für den Pflegeextrakt seiner Phytoactive Skin Perfecting Essence verwendet er die Wurzeln und Blätter des Farns. »In Russland sind Farnwickel ein traditionelles Mittel, um die Haut zu beruhigen«, sagt Golueke. »Die Besonderheit des Farns zeigt sich darin, dass er immergrün und in hohem Maße resistent gegenüber Sonnenlicht ist.«

Royal Fern
Phytoactive Skin Perfecting Essence
200 ml, 79 Euro

CHANEL
Crème Riche aus der Linie Le Lift
50 ml, 120 Euro

Blütenwasser zur Glättung
Bei anderen Gewächsen stecken die Pflegewirkstoffe in den Samen. Chanel setzt bei seiner neuen Tagescreme aus der Linie Le Lift auf die Samen der Alfalfa-Pflanze (auch als Luzerne oder als »Ewiger Klee« bekannt). Das Konzentrat soll eine ähnlich intensive Wirkung wie Retinol haben, das den Teint verfeinern und die Hautstruktur aufbauen soll. Die reformulierte Tagescreme soll die Kollagenproduktion anregen und das Zellwachstum fördern sowie dem Teint Spannkraft und Geschmeidigkeit verleihen. Dior vereint in einem Serum seiner neuen Anti-Aging-Linie Capture Totale C.E.L.L. Energy gleich vier florale Essenzen: Pfingstrose aus China, Longoza aus Madagaskar, Weiße Lilie und Jasmin. Diese Kombination soll nicht nur die Stammzellen der Haut stärken und ihr so einen Energieschub verleihen, sondern auch die Regenerationsfähigkeit der Zellen verbessern und für eine festere und strahlendere Haut sorgen. Für seine Augencreme Fluide Contour des Yeux à la Rose Noire konzentriert sich Sisley ganz auf die Rose. Den Blütenwasser- und Ölextrakten aus der Schwarzen Rose wird die Wirkung zugesprochen, die sensible Augenpartie zu glätten, zu stärken und Augenringe aufzuhellen. Kombiniert werden die Extrakte mit Roter Weinrebe, Süßwasser- und Meeresalgen und Mairose. Sie sollen zusätzlich pflegen und der Creme ein blumiges Aroma verleihen. Ideal ist nämlich, wenn die pflanzlichen Inhalte ihren Duft verströmen – schließlich spielt es bei der Anwendung auch eine wichtige Rolle, ob das Pflegeprodukt gut riecht.

Sisley
Fluide Contour des Yeux à la Rose Noire
14 ml, 116 Euro

Pflanzenstoffe erst testen
Bei aller Euphorie für die natürliche Pflanzenkosmetik: Besonders sensible Hauttypen und Allergiker sollten Produkte vor der Anwendung vorsichtshalber an der Innenseite des Unterarms testen und bei eventuellen Reaktionen wie Hautrötungen eine Alternative wählen. Grundsätzlich gilt aber: Pflanzenwirkstoffe können die Haut nicht nur schöner, widerstandskräftiger und gesünder machen, sondern auch gegen einige Beschwerden helfen, die einem hohen Stresspegel im Alltag geschuldet sind, wie etwa Abgeschlagenheit, innere Unruhe oder Schlaflosigkeit.

Ätherische Öle gegen Stress
Den Tag mit einem Bodyöl mit Lavendel oder Melisse beschließen – womöglich profitiert man dabei nicht nur vom Entspannungseffekt und von weicherer Haut, sondern auch vom Duft: Über den Geruchssinn kann er sich positiv auf unsere Stimmung auswirken. Laut einer Studie japanischer Forscher ist dafür der Inhaltsstoff Linalool mit seinem frischen, blumigen Geruch verantwortlich, der in ätherischen Pflanzenölen vorkommt. Im Übrigen wirken die pflanzlichen Inhaltsstoffe nicht nur beim direkten Auftragen auf die Haut. Auch Zimmerpflanzen können das Wohlbefinden steigern: Sie reinigen die Luft und erhöhen die Luftfeuchtigkeit – was wiederum der Haut zugutekommt.

Dior
Super Potent Serum aus der Linie
Capture Totale C.E.L.L. Energy
50 ml, 182 Euro

©MARIE SCHMIDT/BLAUBLUT-EDITION.COM